Gesegnet seien die Seltsamen

Gesegnet seien die Seltsamen,

die mit leisen Schritten durch laute Welten gehen,

die Worte kosten, bevor sie sie sprechen

und lieber Fragen stellen als Antworten tragen.

 

Die das Unsichtbare berühren,

wie andere den Regen

und die in jedem Augenblick

die Ewigkeit ahnen.

 

Sie erkennen das Göttliche

nicht in Tempeln aus Stein,

sondern im Flüstern des Windes,

im Riss einer alten Mauer,

im Blick eines Unbekannten,

der kurz die Seele berührt.

 

Gesegnet seien die Suchenden,

die nie ankommen,

weil sie wissen,

dass jeder Hafen zugleich ein Käfig sein kann.

Sie tragen Heimweh nach Orten,

die es nie gegeben hat

und doch jeder in sich trägt.

 

Gesegnet seien die Träumer,

die aus Chaos Formen schaffen

und aus Stille Melodien.

Sie erinnern uns,

dass Wahrheit kein Besitz ist,

sondern ein Licht,

das nur im Brechen sichtbar wird.

 

Gesegnet seien die,

die sich selbst nicht genügen,

die scheitern und wieder beginnen,

die mit offenen Händen leben,

wissend, dass nichts bleibt —

und gerade darin alles liegt.

 

Denn sie sind es,

die die Welt in Bewegung halten,

nicht mit Macht,

sondern mit Bedeutung.

 

Und vielleicht,

wenn wir still genug werden,

verstehen wir,

dass die Seltsamen

nicht anders sind,

sondern ehrlicher.