„DIE ENTFALTUNG“
Ich war ein Kind mit offenen Händen,
doch die Welt wollte Fäuste.
Ich war weich wie Morgentau,
doch man nannte mich „zu sensibel“.
Ich war Licht, doch lernte, mich zu dimmen,
damit sich niemand geblendet fühlt.
So wickelte ich mich ein –
in das, was sie sehen wollten.
In Rollen, Masken, in „Ich muss“ und „Ich sollte“.
Ich wurde ganz leise,
damit ich nicht falsch bin.
Doch tief in mir – da regte sich etwas!
Ein Ruf. Ein Weiten.
Ein uraltes Ja.
Es sagte nicht: „Werde.“
Es flüsterte: „Erinnere dich.“
Also begann ich, Schicht für Schicht zu lösen,
nicht zu suchen – sondern loszulassen.
Ich faltete mich aus,
wie eine Blüte nach der langen Nacht.
Ich ent-wickelte mich
aus allem, was ich nie war.
Nicht lauter wurde ich – sondern echter.
Nicht härter – sondern .
Und jetzt stehe ich da, nicht fertig, nicht perfekt – aber ganz.
Und sage: „Hier bin ich.“
Nicht, um zu gefallen.
Sondern, um zu leuchten.