Die zwei Stimmen in mir – Übergang zwischen Erschöpfung und Erwachen
Zwischen der müden Stimme am Abend und der hoffnungsvollen am Morgen liegt der Übergang in ein neues Leben.
Ein ehrlicher Text über innere Stimmen, Übergänge und das Erwachen zu sich selbst.
Es gibt zwei Stimmen in mir.
Die eine spricht am Morgen – leise, fast zaghaft, aber hoffnungsvoll.
Die andere meldet sich am Abend – schwer, müde, erschöpft bis auf die Seele.
Beide erzählen von mir. Beide zeigen, wo ich gerade bin:
In einem Übergang, zwischen dem alten Leben, das ich nicht mehr tragen kann – und dem neuen, das noch zart ist, aber schon beginnt zu wachsen.
Die Morgenseele – Hoffnung im Nebel
Am Morgen wache ich auf wie durch Watte. Da ist noch nichts Klarheit, nichts Energie, sondern ein dumpfes Gefühl von Sinnlosigkeit.
Doch dann – manchmal plötzlich, manchmal langsam – hebt sich ein Schleier. Ich erinnere mich daran, dass heute ein neuer Tag ist.
Ein unbeschriebenes Blatt.
Ich fühle Hoffnung. Ich fühle: Da ist noch etwas in mir. Ich bin nicht verloren.
Vielleicht trinke ich einen Tee, schreibe ein paar Zeilen. Vielleicht spüre ich: Da will etwas in mir leben.
Die Abendseele – Erschöpfung nach dem Funktionieren
Am Abend ist es anders.
Da schreibe ich mit einer anderen Stimme in mein Tagebuch – mit einer Stimme, die alt ist, müde, erschöpft vom Tragen all dessen, was nicht mehr meins ist.
Ich habe funktioniert. Ich habe Erwartungen erfüllt. Ich habe Ja gesagt, obwohl ich Nein meinte. Ich habe mich zusammengerissen, statt mich zu spüren.
Und jetzt ist mein Innerstes leer. So leer, dass selbst der Schlaf mich manchmal nicht mehr tragen kann.
Das ist kein normales Müde-sein. Es ist eine seelische Erschöpfung, die kommt, wenn man sich selbst zu lange vergessen hat.
Der Übergang – wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht steht
Ich weiß jetzt: Diese zwei Stimmen gehören zu einem heiligen Moment.
Einem Moment des Wandels.
Ich kann das alte Spiel nicht mehr spielen. Und ich will es auch nicht mehr.
Aber das Neue – mein echtes Leben – steht noch nicht fest. Es ist ein zartes Pflänzchen.
Und genau deshalb ist dieser Übergang so mühsam. So zäh.
Ich weiß, was ich nicht mehr will, aber noch nicht ganz, was ich stattdessen leben will.
Und während ich mich täglich durch Routinen und Verpflichtungen trage, verliert sich meine Kraft, weil mein Herz nicht mehr mitspielt.
Doch ich habe gelernt, dass das Erkennen allein schon Teil des Wandels ist.
Dass jede Träne, jede Müdigkeit, jedes „Ich kann nicht mehr“ auch ein „Ich will so nicht mehr“ ist.
Und das ist der Anfang.
Ich höre meinen Stimmen zu. Ich ehre sie.
Und ich verspreche mir: Ich bleibe dran. Ich folge der Morgensonne in mir – und halte abends mein Innerstes im Arm.
So entsteht ein neues Leben. Nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt.
Sanft. Wahr. Und voller Würde.