Vom Misstrauen ins Vertrauen – eine Tür, eine Zahl und die Rückkehr zu mir
Ich habe kürzlich über eBay eine alte Musikanlage verkauft. Nichts Besonderes eigentlich. Aber was daraus entstanden ist, war eine kleine, stille Offenbarung. Eine, die mich an etwas Wesentliches erinnert hat: Vertrauen.
Wenn ich Dinge verkaufe, schreibe ich den Käufer*innen oft nicht meine echte Hausnummer. Ich wähle die Tür nebenan – ein paar Schritte weiter. Dann hole ich die Menschen ab. Warum? Weil meine Haustür oft offen steht. Weil meine Katze rein und raus geht. Weil ich denke, mein Name, meine genaue Adresse – das gehört nicht in fremde Hände bzw. online weitergegeben. Aus Vorsicht. Aus Schutz.
Als der Vater und sein Sohn kamen, freundlich, offen, ein bisschen verwundert, meinte der Mann:
„Es ist ein bisschen komisch, dass hier eine andere Nummer steht.“
In diesem Moment kam etwas in mir hoch. Nicht, weil er unhöflich war – überhaupt nicht. Sondern weil er mir mit seiner Ehrlichkeit den Spiegel vorhielt. Und ich sah mich.
Ich fühlte Scham.
Nicht vor den beiden. Sondern vor mir.
Weil ich in diesem Moment spürte, dass ich nicht vertraue.
Dass ich glaube, ich müsste mich schützen, selbst in Momenten, die harmlos sind.
Dass ich mich von der Welt abtrenne – ganz leise, durch eine Hausnummer.
Und dann kam Mitgefühl. Für den Mann und seinen Sohn, die vor der falschen Tür standen und sich vielleicht irritiert fühlten. Ich habe sie an einen Ort geschickt, der nicht stimmte. Nur wenige Meter entfernt, ja – aber trotzdem eine kleine Unwahrheit. Und ich sah, was das bei mir auslöst: ein Ziehen im Herzen. Ein Aufmerken. Ein inneres „Oh.“
Ich habe es ihnen erklärt. Und sie haben Verständnis gezeigt.
Doch die eigentliche Klärung fand in mir statt.
Ich habe erkannt, dass ich unterschieden habe:
Wer besonders freundlich und zuverlässig schreibt, bekommt auch mal meine echte Adresse.
Wer kurz und knapp antwortet – da wähle ich die Nachbartür.
Aber was ist das anderes als ein vorsichtiges Urteilen?
Was ist das anderes als ein kleines Stück Misstrauen?
Was ist das anderes als ein verschlossener Herzspalt?
Und ich frage mich:
Wenn ich davon ausgehe, dass alles in meinem Leben zu meinem höchsten Wohl geschieht
– wenn ich mich verbunden weiß, geführt, gehalten
– wenn ich mich selbst als Schwingung von Liebe verstehe
– warum sollte ich dann etwas verbergen?
Ich habe mich entschieden, zu vertrauen.
Nicht blind. Nicht naiv. Sondern bewusst.
Weil ich spüre: Mein inneres Ja zur Welt ist stärker als meine alte Angst.
Und weil ich in Wahrheit in mir sicher bin.
Vielleicht hast du das auch schon erlebt:
Ein kleines Verhalten, das du immer wieder machst, ohne es zu hinterfragen.
Ein alter Reflex, ein Sicherheitsnetz, ein Muster.
Und dann – ein Moment, ein Blick, ein Satz – und du erkennst: Das bin ich nicht mehr.
Dann ist es Zeit, zurückzukehren. Zu dir.
Zu deinem Herzen. Zu deiner Wahrheit.
Zu deinem Vertrauen.
Denn du bist nicht hier, um dich zu verstecken.
Du bist hier, um dich zu zeigen.
Und:
Ich danke mir selbst für diesen Moment.
Und ich danke den beiden Menschen, die mir – ohne es zu wissen – ein kleines Tor geöffnet haben:
zurück zu mir.